• Tidak ada hasil yang ditemukan

Benyamin ni okeru Gete shizengaku no juyo

N/A
N/A
Protected

Academic year: 2021

Membagikan "Benyamin ni okeru Gete shizengaku no juyo"

Copied!
18
0
0

Teks penuh

(1)Title Sub Title Author Publisher Publication year Jtitle Abstract Notes Genre URL. Powered by TCPDF (www.tcpdf.org). Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung ベンヤミンにおけるゲーテ自然学の受容 粂川, 麻里生(Kumekawa, Mario) 慶應義塾大学独文学研究室 2003 研究年報 (Keio-Germanistik Jahresschrift). No.20 (2003. 3) ,p.94- 110 特別寄稿 Departmental Bulletin Paper http://koara.lib.keio.ac.jp/xoonips/modules/xoonips/detail.php?koara_id=AN1006705X-20030331 -0094.

(2) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung KUMEKAWA, Mario. 1 ,Einleitung: homme de lettres D er esoterische Stil der Schriften von W alter Benjam in reflektiert in sich v e rsc h ie d e n e D e n k a rte n u nd p h ilo so p h is c h e T ra d itio n e n von E u ro p a w ie P la to n ism u s, M essian ism u s und M ystik aus d er ju d isc h e n T rad itio n , N eue K antische Schule sow ie H egelsche- oder M arxistische G eschichtsphilosophie. Je d o ch h a t B en jam in d iese D en k m eth o d en im m er a u f sein e eig en e W eise interpretiert und neu angew endet. Deswegen muss es eine schw ierige A ufgabe sein, die eigenartigen und komplizierten Schriften von Benjamin im historischen Kontext der europaischen Geistesgeschichte zu betrachten. Trotzdem kann man den E influss von Johann W olfgang von G oethe au f die philosophischen und literarischen Tatigkeiten Benjamins mit Erfolg untersuchen, weil Goethe einer der wenigen ist, m it denen sich Benjam in sein ganzes Leben beschaftigt und unter deren E influss er die G rundlage seiner W issen sch aftsth eo rie form u liert hat. Goethe ist bekanntlich einer der wichtigsten Vorbilder des Denkens fiir Bemjamin. Hannah Arendt, die Benjamin auch personlich gut kannte, bezeichnete Goethe als den wichtigsten Denker fiir ihn.. „Ich konnte sagen, daB er gelehrt, aber durchaus kein Gelehrter war; da6 sein H a u p tth e m a T e x te u n d T e x tin te rp re ta tio n e n w aren , ab e r daB er k ein P hilologe w ar; daB ihn nicht R eligion, aber T heologie und theologische A u sleg u n g , die im m er die U n a n ta stb a rk e it, d ie H e ilig k e it des T ex tes vorausgesetzt, fasziniert hat, aber er war weder ein Theologe noch sonderlich. 94.

(3) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. an der Bibel interessiert; daB er ein Schriftsteller war, sein groBter Ehrgeiz a b e r d a rin b e s ta n d , e in e n n u r au s Z ita te n z u s a m m e n g e s e tz te n T e x t herzustellen. Er hat Proust und Baudelaire ins Deutsche Ubersetzl;, aber er war k ein U b ersetzer; er h at u n zah lig e B u ch b e sp rech u n g en und ein e R eihe klassischer Essays iiber tote und zeitgenossiche Schriftsteller und D ichter verfaBt, aber er war kein Literaturkritiker; er hat Bucher iiber das deutsche Barock und die deutsche Romantik geschrieben, und er starb iiber einem groB angelegten W erk iiber das franzosische neunzehnte Jahrhundeit, aber weder war er ein Historiker noch ein Literaturhistoriker. Ich werde hier zu zeigen versuchen, daB er dichterisch dachte, aber er war weder ein Dichter noch ein Philosoph . " り. ,,Sieht man sich in Benjamins Schriften aus der vormarxistischen Periode um, so fa llt b a ld au f, daB dem so g e n a n n te n E influB B re c h ts ein an d e re r, v erm u tlich en tsc h e id e n d e re r v o ran g eg an g en w ar: der EinfluB G oethes nam lich, also auch eines Dichters, in dessen Denken die V orstellung vom Urphanomen bekanntlich im Zentrum steht. Das Urphanomen aber ist keine Idee, aus der sich eine philosophische oder theologische Theorie entwickeln lieBe. Es ist v ie lm e h r ein k o n k ret und m ate rie ll A u ffin d b ares, in dem Bedeutung (dies goetheschste aller W orte kehrt bei Benjam in im m er wieder) u nd A u sseh en o d e r E rsch ein u n g , W o rt und D ing, Idee und E rfah ru n g zusam m enfallen . " 力. A rendt hat Benjam in w eder einen Philosophen noch Schriftsteller, sondem einen "homme de lettres" genannt. M it der franzosischen Bezeichnung hat Arendt geschickt ausgedriickt, dass Benjam in ein Grenzen iiberschreitender Literal ist. O bwohl Benjam in in Freiburg, M unchen, Berlin und Bern Philosophie studiert hatte, basiert seine D enkm ethode und sein Stil des Schreibens nicht au f dem Hauptfluss der philosophischen Tradition von Europa. W ie Th. W. A dom o einige spatere Abhandlungen von Benjam in fiir nicht ,,genug dialektisch" gehalten und nicht in die "Zeitschrift fur Sozialforschung ゾaufgenommen hat, w ar die Dialektik. 95.

(4) bei Benjam in nicht die im Hegelschen Sinne. Auch die Schriften von Karl Marx hat Benjam in eigenartig verstanden. A rendt sah die Griinde fiir die sonderbare Interpretation darin, dass der Anfangsgrund bei Benjamin nicht die Philosophic ist, sondern die L iteratur von G oethe. O bwohl A rendt schrieb, dass die Idee kein Them a fur B enjam in war, benutzte er den A usdruck m anchm al, besonders in seinen friiheren Schriften. Arendt hat es nicht prazise genug gesagt. Die Idee war auch Benjamins Thema, vielleicht sogar das wichtigste. Aber er hat die Ideen nie als abstrakte, m etaphysische Sprache fiir ein philosophisches System behandelt. Sie sollten v ielm eh r durch kritische A u sein an d ersetzu n g m it den konkreten Phanomen angeschaut werden. Eine solche Verbindung zwischen der idealen W elt und den konkreten Phanomenen hat er von Goethes Urphanomenlehre gelemt.. 2. Ursprung und Urphanomen Benjamin hat in seinem unvollendeten „Passagen-W erk" auch erlautert, dass seine M eth o d e d er G esch ic h tsb esch re ib u n g aus d er G o eth esch en T rad itio n stammt. Um die kapitalistische Kultur radikal zu kritisieren und die utopischen M omente darin erkennbar zu machen, samm elte Benjam in zahllose Ausschnitte aus den Schriften des neunzehnten Jahrhunderts, die die Pariser Passagen und die Stadt Paris beschreiben, und m achte daraus Collagen und M ontagen der Texte. D as u n g eh eu ere S p ra ch e x p erim en t des P a ssag en -W erk es e n th a lt n ic h t nur gesam m elte Zitate, sondem auch Schriften von Benjam in und der zugehorigen Fragm ente der als ,, N" bezeichneten Gruppe des N achlasses, in denen er seine M ethode erklart. Darin schreibt Benjamin, dass die surrealistische M ethode des Passagen-W erkes auf der Naturanschauung Goethes beruht.. ,,B ei d e m. S tu d iu m. d e r S im m e ls c h e n. D a r s te llu n g. v o n G o e th e s. W ahrheitsbegriff, w urde m ir deutlich, daB m ein B egriff des Ursprungs im Trauerspielbuch eine strenge und zwingende Ubertragung dieses goetheschen Grundbegriffs aus dem Bereich der Natur in den der Geschichte ist, Ursprung 一. das ist der aus dem heidnischen N aturzusam m enhange in die judischen. Zusam m enhange der Geschichte eingebrachte B egriff des Urphanomens. Nun. 96.

(5) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. habe ich es in der Passagenarbeit auch mit einer Ursprungsergriindung zu tun. Ich verfolge namlich den Ursprung der Gestaltungen und Veranderungen der Pariser Passagen von ihrem Aufgang bis zu ihrem Untergang und eifasste ihn in den w irtsc h a ftlic h e n F ak ten . D iese F ak ten , an g eseh e(n ) u n te r dem G e s ic h ts p u n k t d e r K a u s a lita t, a lso als U rs a c h e n , w a re n a b e r k e in e U rp h a n o m e n e ; d as w e rd e n sie e rs t, in d em sie in ih re r s e lb s te ig n e n Entwicklung 一 A uswicklung ware besser gesagt - die Reihe der konkreten historischen Formen der Passagen aus sich hervorgehen lassen, wie das Blatt den ganzen Reichtum der empirischen Pflanzenwelt aus sich herausfaltet."]). Das Trauerspielbuch heiBt ,,der Ursprung des deutschen Trauerspiels", die gescheiterte H abilkationsschrift von Benjam in, die wegen der allzu neuen und eigenartigen Theorie der G eschichtsbeschreibung von der U niversitat Frankfurt nicht akzeptiert worden war. In der Abhandlung hatte er versucht, die deutschen T rauerspiele des B arock, die m it den alten T ragodien oder den franzosischen Klassikem verglichen als epigonal betrachtet worden waren, wieder zu entdecken und dutch ein akrobatisches Verfahren positiv zu schatzen. Jedes Trauerspiel ist zwar zweitklassig, zieht man seine kiinstlerische Leistung in Betracht, aber wenn man m ehrere StUcke anschaut und sie als eine Ganzheit betrachtet, zeigt sich auch ein Id eal, w ie bei ein em M eiste rw e rk von h o c h ste r V o llen d u n g . N ach der Auffassung von Benjam in soil jedes historische Phanom en in die Geschichte so eintauchen, wie sie um einen "Ursprung" herum eine Konstellation bilden. W ie bei G oethe die U rp flan ze in je d e r einzelnen P flanze in der stofflichen W elt vorkomm t, bezieht sich eine Idee im Benjam inschen Sinn auf die phanom enale W elt. Der Ursprung ist eine Gestalt, in der eine Idee, die eigentlich zur W elt der E w ig k e it o d e r d er U n z e itlic h k e it g eh o rt, z. B. d ie Id e e des T ra u e rsp ie ls , historische Phanom ene anzieht. Das Prinzip, den U rsprung zu untersuchen, hat B e n ja m in v o n d e r friih e re n A rb e it iib e r d as b a r o c k e T h e a te r, iib e r d ie A useinandersetzung m it dem Surrealism us und Karl K raus bis zum PassagenW erk fast unverandert beibehalten. In dem Sinne hatte A rendt R echt, als sie G oethe als den einzigen entscheidenden D enker fiir Benjam in bezeichnete.. 97.

(6) 3. Ideal und Idee D ie M eth o d e fiir die U n tersu ch u n g von Idee und U rsp ru n g b esch reib t Benjam in in der ,Erkenntniskritischen Vorrede’ vom Trauerspielbuch.. " D e r S ta b von B e g riffe n , w e lc h e r dem D a rs te lle n e in e r Id e e d ie n t, vergegenw artigt sie als K onfiguration von jenen. Denn in Ideen sind die Phanom ene nicht einverleibt. Sie sind in ihnen nicht enthalten. Vielm ehr sind die Id een deren o b je k tiv e v irtu elle A nordnung, sind d eren o b jek tiv en Interpretation.. Die Ideen sind ew ige K onstellationen und indem die. Elem ente als Punkte in derartigen K onstellationen erfaBt werden, sind die Phanom ene aufgeteilt und gerettet zugleich. Und zwar liegen jene Elemente, deren A uslosung aus den Phanom enen A ufgabe des B egriffs ist, in den Extrem en am genauesten zutage. Als Gestaltung des Zusam m enhanges, in d em d a s E in m a lig - E x tr e m e m it s e in e s g le ic h e n s te h t, is t d ie エd ee um sch rieb en . D ah er ist es falsch, die allg em ein sten V erw eisu n g en der Sprache als Begriffe zu verstehen, anstatt sie als Ideen zu erkennen. Das Allgem eine als ein Durchschnittliches darlegen zu wollen, ist verkehrt. Das A llg e m e in e ist die Id e e . D as E m p irisc h e d a g e g e n w ird um so tie fe r durchdrungen, je genauer es als ein Extremes eingesehen werden kann. Vom Extrem en geht der B egriff aus, Wie die M utter aus voller Kraft sichtlich erst da zu leben beginnt, wo der Kreis ihrer Kinder aus dem Geftihl ihrer Nahe sich um sie schlieBt, so treten die Ideen ins Leben erst:, wo die Extrem e sich um sie versammeln. Die Ideen. 一. im Sprachgebrauche Goethes: Ideale. 一. sind. die faustischen M U tter." 斗 ). Die faustischen M utter treten im ersten Akt des zweiten Teils von ,,Faust" auf, in der Szene ,Finstere G alerie’,wo M ephistopheles iiber die W esen, die M utter Oder Gottinnen genannt werden, erzahlt: „Um sie kein Ort, noch weniger eine Z eit". Es d a rf nicht iibersehen w erden, dass an der eben zitierten S telle B enjam in die Idee als "im Sprachgebrauche Goethes: Ideale" bezeichnet. Das.

(7) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. heiBt: bei Benjam in soil Idee von Ideal unterschieden werden. Die beiden sind zwar geistliche W esen, die die kiinstlerischen W erke als Kunst bestehen lassen, aber wahrend das Ideal in den Kunstwerken symbolisch geahnt werden soli, soil die Idee durch die kritische Betrachtung und Interpretation als ein W ort dargestellt werden. Die Idee und das Ideal sind so zwei Seiten eines W esens. Benjamin hat in se in e r D is s e rta tio n s s c h rift ,,D er B e g riff d e r K u n s tk ritik in d e r d eu tsc h en R om antik" die K ritik der K unst, die nach den Ideen sucht, als den K ern der T a tig k e ite n d e r F riih ro m a n tik e r b e tr a c h te t u n d d e r G o e th e s c h e n K u n st entgegengesetzt. Nach der Betrachtung Benjamins schatzte Goethe die Kraft der Kunstkritik eigentlich nicht und hielt auch die Unterscheidung von Ideen und Ideal fiir nicht so wichtig.. "Der Inbegriff der reinen Inhalte, das Ideal der Kunst;, lS6t sich also als das M usische bezeichnen. W ie die innere Struktur des Ideals eine unstetige im G egensatz zur Idee ist, so ist auch der Z usam m enhang dieses Ideals m it K u n st n ic h t in ein em M edium g eg eb en , so n d ern d u rch ein e B rechung bezeichnet. D ie reinen Inhalte als solche sind in keinem W erk zu finden. Goethe nennt sie die Urbilder. Die W erke konnen jene unsichtbaren 一 aber anschaulichen 一 Urbilder, deren Hiiterinnen die Griechen unter dem Namen der M usen kannten, nicht erreichen, sie vermogen nur in mehr oder weniger h o h em G rad ih n en zu g l e i c h e n . レ . ] Fiir G o eth e w aren die W erke der Griechen unter alien diejenigen, welche den U rbildem am nachsten kamen, sie wurden ihm gleichsam zu relativen Urbildem , zu Vorbildem. Als W erke der Alten weisen diese Vorbilder eine doppelte A nalogic zu den Urbildem selbst auf; sie sind wie diese im doppelten Sinn des W ortes vollendet; sie sind vollkom m en und sie sind vollbracht. D enn nur das vollig abgeschlossene G ebilde kann U rbild sein. Nicht im ew igen W erden, in der schopferischen Bewegung im Formenm edium liegl nach Goethes Auffassung der Urquell der Kunst. Die Kunst selbst schafft nicht ihre U rbilder - diese berahen vor allem g e s c h a ffe n e n W e rk in d e rje n ig e n S p h a re d e r K u n st, w o d ie se n ic h t Schopfung, sondem Natur ist. Die Idee der N atur zu erfassen und sie damit.

(8) tauglich zum Urbild der Kunst (zum reinen Inhalt) zu machen, das war im letzten Grund Goethes Bemiihen in der Ermittlung der U rphanom ene/'. B e n ja m in h a t z w a r m it d em G e d a n k e n G o e th e s als D ic h te r s ta rk mitgeschwungen und ist davon tief beeinflusst worden, hat jedoch im Unterschied zu Goethe versucht, sich m it der Problematik weder als Dichter noch als Kunstler, sondern als K ritiker auseinander zu setzen. D er V ersuch Benjam ins konnte so aufgefasst werden, dass man in die W elt des Goetheschen Urphanomens mit der Kraft der friihrom antischen Kritik einzugehen versucht. Benjam in hat sich also bemiiht, das durch Kritik als Ideen darzustellen, was Goethe in seinem W erk als Ideal schildern w ollte. D ie A ufgabe von B enjam in w ar nicht die der K unst, sondem der W issenschaft. Benjamin bezeichnete wie erwahnt die Gestalt, in der die Phanomene um eine Idee herum in der zeitlichen W elt vorkommen, als "Ursprung". So kann der Blick, w om it der M ensch den U rsprung anschauen soil, nicht in der Zeit liegen. Die h istorischen P hanom ene sollen nicht nach der Z eitenfolge aufgefasst w erden, sondem der M ensch Ubersieht mehrere Phanomene in einem Augenblick und zieht das W erden und das Vergehen gleichzeitig in Betracht, damit man das Bild, das die Phanom ene um den U rsprung herum darstellen, anschaut. Das Bild ist der Ursprung.. "E s b le ib t ihm [B e n e d e tto C roce] v e rsc h lo s se n , w ie die von ihm als genetische Klassifikation bezeichnete Betrachtung m k einer Ideenlehre von den K u n sta rte n im P ro b lem des U rsp ru n g s iib erein k o m m t. U rsp ru n g , wiewohl durchaus historische Kategorie, hat m it Entstehung dennoch nichts gemein. Im Ursprung wird kein W erden des Entsprungenen, vielm ehr dem W erden und Vergehen Entspringendes gemeint. Der Ursprung steht im FluB des W erdens als Strudel und reiBt in seine Rhythm ik das Entstehungsmaterial h in e in . Im n a c k te n o ffe n k u n d ig e n B e s ta n d d es F a k tis c h e n g ib t das U rspriingliche sich niem als zu erkennen, und einzig einer D oppeleinsicht steht seine Rhythm ik offen. Sie will als Restauration, als W iederherstellung. 100.

(9) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. einerseits, als eben darin U nvollendetes, U nabgeschlossenes andererseits erkannt sein. In jedem Ursprungsphanomen bestimmt sich die Gestalt, unter w e lc h e r im m e r w ie d e r e in e Id e e m it d e r g e s c h ic h tlic h e n W e lt sich a u s e in a n d e rs e tz t, b is sie in d e r T o ta lita t ih re r G e s c h ic h te v o lle n d e t clarliegt."6). 4. Doppelsinn: die Natur und die Lehre A uf die W eise ubersetzte Benjamin die Goethesche Urphanomenlehre fUr die N aturforschung in die M ethode, mit der historische Phanom ene erfasst werden sollen. D er U nterschied zwischen den beiden W issenschaftstheorien liegt darin, dass Benjam in versucht, nur die zur Sprache gewordenen historischen M omente, d ie als B e g riffe e r fa s s t w o rd en s in d , in e in e r v irtu e lle n und o b je k tiv e n K onstellation neu anzuschauen, w ahrend G oethe unmdttelbar in der N aturw elt nach dem U rphanom en suchte. Bei Benjamin ist also das Verfahren um eine Stufe k o m p liz ie rte r. Je d o c h heiBt das n ic h t, d ass er irg e n d e in e T h e o re tis ie ru n g versuchte, sondem den Grundgedanken der Goetheschen Naturforschung, in der d ie N a tu r als k o n k re t und e in m a lig e rfa h re n w erd en so il, u b e rn im m t d ie sprachphilosophische W issenschaftstheorie von Benjamin. Denn die Goethesche M eth o d e, m it d er m an die D inge in der N atu rw elt n ich t v e re in fa c h t in ein theoretisches System aufnehmen, sondem sie moglichst konkret und unm ittelbar anschauen soil, fordert dem M enschen die Versenkung in jedes kleinste Detail und die Einsicht in einen spezifischen Gebrauch der Sprache, namlich die Benennung. Nach der Auffassung von Benjamin sind das Detail die Einzelheiten, die so klein und k o n k ret sind, dass sie den herkom m lichen A uffassungen und dem schon bestehenden und systematisierten Sprachgebrauch entgehen. Um in einer solchen Dim ension D inge aufzufassen, muss das m im etische M oment der Sprache vollig w irken. In den friiheren Schriften hat B enjam in oft die ,,N am ensprache" den h o c h s te n Z u s ta n d d e r S p rach e g e n a n n t, a b e r " N a m e " b e d e u te t bei d ie se r Bezeichnung kein Substantiv, sondem die Kraft der Sprache, die auswirken soil, w e n n d e r M e n s c h d e r W e lt a ls d em K o n k r e te s te n , n a m lic h a ls e in e m U nbekannten, entgegensteht. Benjam in verglich in dem Sinne die konkreteste. 101.

(10) Betrachtung der Dinge m it der Benennung der Unbekannten. S e ie n. es. d ie. m o d e rn e n. N a tu r w is s e n s c h a f te n ,. se i. es. e in e. G eschichtsphilosophie, sei es eine Theologie, Goethe hat als N aturforscher jede Art der Theoretisierung abgelehnt. Das Verhaltnis ist deshalb destruktiv, weil er die gew ohnliche D enkw eise und den herkom m lichen S prachgebrauch radikal verleugnet. Benjamin beschrieb in seinem Enzyklopadie-Artikel iiber Goethe, der damals jedoch nicht publiziert worden war, aus Sympathie fiir den M arxismus die spinozistische N aturanschauung von G oethe als den G edanken, der gegen die Politik, die Theologie und sogar die Asthetik im normalen Sinne geht.. ,,D ies n a tu r g e s c h ic h tlic h e S tu d iu m k o n n te G o e th e d em p o litis c h e n Geschehen gegeniiber nur noch sproder machen. Er begriff Geschichte nur als Naturgeschichte, begriff sie nur soweit sie an die Kreatur gebunden blieb. [...] Diese naturwissenschaftliche Richtung ging gegen die Politik, aber sie ging auch gegen die Theologie. In ihr hat der kirchenfeindliche Spinozismus des D ichters seine fruchtbarste G estaltung gefunden. W enn er gegen die pietistischen Schriften seines ehemaligen Freundes Jakobi auftritt, weil der die These aufstellt, die Natur verberge Gott, so ist fiir Goethe an Spinoza das W ichtigste, daB die N atur sowohl wie der G eist eine offenbare Seite des Gottlichen ist.". "D am it gelangte er zur U rpflanze, die S chiller in dem beriihm ten ersten Gesprach m it dem Dichter fiir eine Idee erklarte, die aber Goethe nicht gelten lassen wollte, ohne ihr eine gewisse sinnliche Anschaulichkeit zuzusprechen. G oethes naturw issenschaftliche Studien stehen im Z usam m enhang seines Schrifttum s an der Stelle, die bei geringeren K iinstlern oft die A sthetik einnim m t. M an kann gerade diese Seite des G oetheschen Schaffens nur verstehen, wenn m an sich vergegenwartigt, daB er zum Unterscheide von fast alien Intellektuellen dieser Epochen nie seinen Frieden m it dem schdnen S ch ein g em ach t h at. N ich t d ie A sth e tik so n d ern die N atu ran sch au u n g versohnte ihm Dichtung und Politik.. 102. フ ).

(11) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. "Goethe gehort zur Fam ilie jener groBen Geister, fiir welche es im Grunde eine Kunst im abgezogenen Sinne nicht gab. Ihm war die Lehre von dem Urphanomen aus der Naturwissenschaft zugleich die wahre Kunstlehre, wie es fiir Dante die Philosophic der Scholastik und fiir Diirer die technischen Kiinste waren.". Die Anschauung, in der die Natur als die Offenbarung des gottlichen W esens betrachtet wird, gait als eine Antithese gegen die m odem en Naturwissenschaften, in denen die D inge in der N aturw elt nur als objektive G egenstande angesehen w erden. A b er G oeth e ist es schlieB lich n ich t g elungen, so B enjam in, diese spinozistische W eltanschauung und jene Urphanomenlehre zu vereinen. Obwohl es das Ziel Goethescher Kunst war, das Ideal als Urphanomen in der empirischen W elt vorkommen zu lassen, ist schlieBlich unklar geblieben, wie die Dimension des Ideals und die der kreaturlichen Eifahrungen verbunden werden konnen. Die beriihmte Verwirrung von Goethe iiber die Frage, ob die Urpflanze irgendwo auf d er W elt als k o n k retes E in zelw esen ex istiert, soil sich auch a u f die A porie beziehen. Goethe hat nur intuitiv vorausgesetzt, dass irgendwo und irgendwie die beiden Dimensionen verbunden werden und nach Benjamins Auffassung passiert die V erbindung in der Sphare der Kunst. D ie V erw irrung bei G oethe liegt im M issverstandnis, dass das auch in der Sphare der W issenschaften, des Erkennens, m ogliche ware, was in der Tat nur fiir Kunstwerke moglich ist. Benjamin weist in seiner groBten M onographic "Goethes W ahlverw andtschaften" darauf hin, dass der Zusam m enhang zwischen Erscheinungen und Urbildem nicht erklait worden ist. H ier wird auch der Unterschied zwischen dem Ideal, das in der Kunst erreicht werden soil, und der Idee, die durch die Kritik und die W issenschaft dargestellt werden soil, betont.. "So erscheint ein Urgrund Goetheschen Forschens in der Natur nur hier (in den spateren W erken). Dieses Studium beruht auf bald naivem , bald auch wohl bedachterem Doppelsinn in dem Naturbegriff. Er bezeichnet nam lich. 103.

(12) bei Goethe sowohl die Sphare der wahm ehm baren Erscheinungen wie auch die der anschaubaren Urbilder. Niemals hat doch Goethe Rechenschaft von dieser Synthesis erbringen konnen. Vergebens suchen seine Forschungen statt philosophischer Ergriindung den Erweis fiir die Identitat der beiden Spharen em p irisc h d u rch E x p e rim e n te zu fUhren. D a er die w ahre N atu r nicht b e g rifflich b estim m te, ist er ins fru ch tb are Z en tru m ein er A nschauung niemals gedrungen, die ihn die Gegenwart wahrer N atur als Urphanomen in ih re n E r s c h e in u n g e n s u c h e n hieB , w ie e r in d en K u n s tw e rk e n sie voraussetzte. [...] auf G rund jenes Doppelsinns im N aturbegriff wurde zu oft aus den U rphanom en als U rbild die N atur als das Vorbild. N iem als ware d iese A n sich t m ach tig gew orden, w enn Aquivokation. 一. 一. in A u flo su n g d er g edachten. es sich Goethe erschlossen hatte, daB adaquat im Bereich der. Kunst allein die Urphanomene. 一. als Ideale. 一. sich der Anschauung darstellen,. w ahrend in der W issenschaft die Idee sie vertritt, die den Gegenstand der W ah rn eh m u n g zu b estrah len , doch in d er A n sch au u n g nie zu w andeln vermag. Die Urphanomene liegen der Kunst nicht vor, sie stehen in ihr. Von Rechts wegen konnen sie niemals MaBstabe abgeben.". 5. Symbol und Allegoric W ie oben dargestellt hatte Benjamin die Absicht, das, w om k sich Goethe in seiner Kunst beschaftigte, durch die Kritik und die W issenschaft zu verwirklichen, in d e m e r d em G o e th e s c h e n G e d a n k e n a b e r tre u n a c h g in g . In d ie se m Zusam m enhang taucht ein asthetischer B egriff als Stichwort auf: Allegorie. Die A llegoric als M ethode der Interpretation, womit man einmal von der naiven oder w o rtlic h e n B ed e u tu n g e n tfe rn t T ex te o d e r B ild e r neu in te rp re tie re n kann. B e k a n n tlic h sch a tz te G o eth e die A lle g o rie n ie d rig e r als das S ym bol. D ie Darstellung der Bedeutung durch die Allegorie wird auf Grund der Kenntnisse von AuBen erm oglicht und die Bedeutung ist bestim m t und begrenzt, wahrend dem A usdruck eine sym bolische K raft im m anent ist, und wahrend das da Gem einte ideal sein kann. Die Goethesche Einschatzung der Allegorie ist nach Auffassung Benjam ins schlechthin die von KUnstlem. Durch den Blick des Kritikers kann die 4.

(13) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. Allegoric auch als ein Eingang verstanden werden, der durch die Hintertiir in die W elt der Ideen fiihrt. Als eine besondere Leistung von Benjamin wird oft darauf hingewiesen, dass er die Allegoric im philosophischen Sinne wieder entdeckt habe. Das Prinzip des Symbols jedoch ist fiir ihn auch bedeutend. Sogar im „Ursprung des deutschen T ra u e rs p ie ls " , d e s se n H a u p tth e m a e b e n d ie A lle g o ric ist, k an n m an d ie B e s c h re ib u n g d es p h ilo s o p h is c h e n V e rfa h re n s fin d e n , w o d u rc h m an zu r Dimension des Symbols zuriickzukehren vermag, indem man die M oglichkeiten der Allegoric austritt. Die Konstellation ist auch eine M ethode der Interpretation, je d e s h isto risc h e P h an o m en n ich t an sich , so n d ern als ein en S tern in d er K o n ste lla tio n zu b e tra c h te n und ihm ein e n eu e und h o h ere B ed e u tu n g zu verleihen. Das Verhaltnis, jedes Phanomen nicht an sich verstehen zu wollen, ist allegorisch, aber die Interpretation, die Phanom ene, die von der gew ohnlichen Bedeutung getrennt sind, in einer Konstellation anzuschauen, ist symbolisch. Das mit dem allegorischen Blick durchstrahlte Phanomen muss einmal sterben, in dem Sinne, dass es sein Inneres verlieit und zu einem Ding wird, das nur von AuBen interpretiert werden kann. A ber wenn es in eine Konstellation, die eine wahre Idee darstellt, eingefugt wird, wird es durch den Tod zur Rettung gefuhit, so wie Tote in dem Reich Gottes auferstehen. D er G edanke, dass m an durch die A lleg o rie zur sym bolischen R ettung g elan g en kann, ist n ic h t n u r die M eth o d e , w o m it B en jam in die d eu tsc h en Trauerspiele behandelt, sondem auch die virtuelle Struktur des Ausdrucks in den Trauerspielen. Genauer gesagt: die Dichter der barocken Zeit hatten die Allegorie als ihre M ethode gewahlt, Benjamin fand am Ende der Allegorie den Ausgang zur W elt der Symbole. Benjam in ubem ahm diese philosophische Doppelanwendung der Allegorie auch von Goethe, Der Dichter schatzte zwar das Symbol hoher als die A llegorie, aber v erleugnete diese auch nicht. In seinen spateren W erken, besonders im zweiten Teil von "Faust" wird der Gedarike der barocken Allegorie nach der B etrachtung B enjam ins benutzt und dariiber hinaus w ird sie m it der Antike verbunden. Die Erklarung dazu kann m an auch in jenem EnzyklopadieArtikel finden.. 105.

(14) „Die Umrisse des Goetheschen Deutschland, welches durch das romantische M ittelalter des ersten T eils noch h indurchscheint, sind im zw eiten Teil verschw unden, und die ganze, ungeheure G edankenbew egung, in w elche dieser zweite Teil hineinfuhrt, ist zuletzt gebunden an die Vergegenwartigung des deutschen Barock, durch dessen M edium hindurch der Dichter auch die Antike s ie h t. し. . ] W enn der Dichter am Ende seine ministerielle Tatigkeit mit ein er K ap itu latio n vor den Intrigen eine fu rstlich en M atresse in tiefster Resignation hatte abschlieBen miissen, so umreiBt er am Ende seines Lebens ein ideales D eutschland der Barockzeit, in dem er alle M oglichkeiten des s ta a tm a n n is c h e n W a lte n s in s G ro 6 e u n d d o c h a u c h w ie d e r a lle U nzulanglichkeiten dieses W altens ins G roteske steigert. M erkantilism us, Antike und m ystisches Naturexperiment: Vollendung des Staates durch das Geldwesen, der Kunst durch die Antike, der Natur durch das Experiment sind die M gnatur der Epoche, die Goethe heraufruft: des europaischen Barock. U nd es ist zu letzt keine fragw urdige asth etisch e, sondern eine innerste pohtische N otw endigkeit dieser Dichtung, daB am Ende des fiinften Aktes d e r k a th o lis c h e H im m e l m it G re tc h e n a ls e in e r d e r B uB en d en sic h eroffnet.". Benjamin behauptet mer, es sei nach dem Gedanken der barocken Allegoric eine pohtische Notwendigkeit, dass Goethe, der in der wirklichen Politik scheitem m usste, seinen Faust auf den Polder fallen lieS und iiber ihm den katholischen Himmel eroffnete. Das Scheitem, die Katastrophe und das Groteske werden vor den Augen des Allegorikers in die him m lische Sphare hinaufgezogen. A ber die A lleg o ric ist sata n isch , w eil m an eine M enge K en n tn isse braucht;, um eine A llegoric zu entziffem . Das W issen ist die Entfem ung von der geistigen W elt Gottes und die Versenkung in die Materie. W enn der gottliche Geist das ewige L eben ist:, m uss die K enntnis ein unendlicher W eg zum U ntergang sein. Die Allegoric ist deswegen auch satanisch, weil das Ideal, das beim Symbol als schone N atur dargestellt wird, vor den allegorischen B lick als Tote, Schreckliche oder. 106.

(15) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. R u in e v o rk o m m t. M e p h is to p h e le s is t d e r G e is t, d e r d en M e n s c h e n g e is t m aterialisiert. W egen des Vertrags mit ihm hat Faust das Schicksal hingenommen, e n tw e d e r K e n n tn is s e zu b e k o m m e n , in d e r m a te r ie lle n W e lt fiir im m e r unterzugehen oder seine Seele, den Geist, absolut zu verlieren. Im "Ursprung des deutschen Trauerspiels" ubersetzt Benjamin den Vertrag zwischen M ephistopheles und Faust in eine philosophische Beschreibung.. ,,W issen, n ich t H an d eln , ist die eig en ste D asein sfo rm des B osen. U nd demgemaB ist physische V erfiihrung, als W ollust, V ollerei und T ragheit, sinnlich nur begriffen, bei weitem nicht einziger, ja streng gonom m en gar kein letzter und genauer Seinsgrund. Dieser vielm ehr eroffnet sich m it der Fata morgana eines Reiches der absoluten, das ist gottlosen, Geistigkeit, wie es, als Gegenstiick dem M aterialischen verbunden, das Bose konkret erfahren laBt. D er in ihm herrschende G em utszustand ist die T rauer, zugleich die M u tte r d e r A lle g o r ie n u n d ih r G e h a lt. U n d ih m e n ts ta m m e n d re i urspriingliche satanische VerheiBungen. [...] Die absolute Geistigkeit, die im Satan gem eint ist, bringt in der E m anzipation vom H eiligen sich um das Leben. D ie 一 hier allein entsetzte - S tofflichkeit w ird ihre H eim at. Das s c h le c h th in M a te ria lisc h e und je n e s a b s o lu te G e is tig e sin d P o le des satanischen Bereichs: und das BewuBtsein ihre gauklerische Synthesis, mit w elcher sie die echte, die des Lebens, afft. Sein lebensfremdes Spekulieren aber, das an der D ingw elt der E m blem e haftet, trifft schlieBlich au f das W issen der D am o n en ."…. A ber der Erwerb dieses allegorischen Bewusstseins muss bei Benjamin durchaus die V o rstu fe d e r sy m b o lisc h en R ettu n g sein. W en n das B e w u sstse in eine gauklerische Synthesis ist, kann die wahre Synthesis des Lebens nur in der idealen W elt der K onstellation verw irklicht werden. Am SchluB des Trauerspielbuches stellt Benjam in die schlieBliche Interpretation der trostlosen katastrophalen Szenen dar, die in den barocken Trauerspielen haufig gezeigt werden. Die Erlauterung k an n m an ab er auch als ein n e g a tiv e s B ild d er le tz te n S zen e von ,,F a u st". 107.

(16) verstehen, wo die Seele des gefallenen F aust von den G eistern der BuBenden hinabgezogen wird.. "W ie StU rzende im F allen sich iiberschlagen, so fiele von S in n b ild zu Sinnbild die allegorische Intention dem Schw indel ihrer grundlosen Tiefe anheim, muBte nicht gerade im auBersten unter ihnen so sie umspringen, daB all ihre Finstem is, Hofart und Gottfeme nichts als Selbsttauschung scheint. [...] D ie tro stlo se V erw o rren h eit der S ch ad elstatte, w ie sie als Schem a allegorischer F iguren aus tausend K upfern und B eschreibungen der Zeit h e r a u s z u le s e n is t, is t n ic h t a lle in d as S in n b ild v o n d e r O d e a lle r M e n sc h e n e x iste n z . V e rg an g lich k eit ist in ih r n ic h t so w o h l b e d e u te t, allegorisch dargestellt, denn, selbst bedeutend, dargeboten als Allegorie. Als die A lleg o rie der A uferstehung. Z uletzt springt in den T odesm alen des B arock 一 nun erst im riickgew andten groBten Bogen und erlosend 一 die allegorische Betrachtung um. Die sieben Jahre ihrer Versenkung sind nur ein Tag. Denn auch diese Zeit der Holle wird im Raum e sakularisiert und jene Welt, die sich dem tiefen Geist des Satan preisgab und verriet, ist Gottes. In Gottes W elt erwacht der Allegoriker. [...] [...] Leer aus geht die A llegorie / ' ゅ. Die Hand der Allegorie bleibt leer. Das heiBt: M ephistopheles kann den Geist von Faust nicht ergreifen. U nd Faust, der in der Stoffw elt ew ig hinunterrollen sollte, wird in die Ew igkeit gerettet. In diesem plotzlichen ratselhaften Happyend sieht Benjamin die Vergegenwartigung des Prinzips der barocken Allegorie. Die to te n Oder g e s c h e ite r te n F ig u re n w e rd e n au s d e n S ig n if ik a te n zu d en S ignifikanten, indem sie ihr Inneres verlieren. Bei solch ein er allegorischen Rettung kommen weder Erfolg noch Gut und Bose in Frage. Entscheidend ist nur, dass der M ensch etwas tut. Die Tat wird zu einem Wort, das von dem Allegoriker gelesen und zu einem Symbol werden kann. Im Anfang ist die Tat, so wie Faust den Anfang des Evangelium nach Johannes iibersetzt hat.. 108.

(17) Goethesche Naturauffassung und Benjaminsche Geschichtsauffassung. 6. Schluss: Das Leben als ganzes G oethe w ird oft als ein "ganzer M ensch" im dem Sinne der R enaissance betrachtet. Die T atig k eiten von B enjam in sind nicht so m ultim edial wie die Goethes oder Leonardo da Vincis. Obwohl er ein Grenzen Uberschreitender Literat ist, gehort er trotzdem auch zu jenen mutigen M enschen, die das Leben als eine G a n zh e it e rfa h ren w o llen . B en jam in h at so ein Z ita t aus „ M aterialien zu r Geschichte der Farbenlehre" von Goethe als das M otto fiir das Trauerspielbuch gewahlt;. ',Da im W issen sowohl als in der Reflektion kein Ganzes zusammengebracht werden kann, weil jenem das Innre, dieser das AuBere fehlt, so miissen wir uns die W issenschaft notwendig als Kunst denken, wenn wir von ihr irgend ein e A rt von G a n z h e it e rw a rte n . U nd zw ar h ab e n w ir d iese n ic h t im Allgemeinen, im U berschwanglichen zu suchen, sondem, wie die Kunst sich im m e r g a n z in je d e m e in z e ln e n K u n s tw e rk d a r s te llt, so s o llte d ie W issen sch aft sich auch jed esm al ganz in je d e m einzelnen B ehandelten .. erweisen.. ‘ ‘13). Um den W unsch nach dem Leben als ganzem zu erfiillen, erf and Goethe die naturwissenschaftliche begriffliche Einrichtung vom "U rpM nom en" und entdeckte die literarische A sthetik, in der Allegoric und Symbol zusam m enw irken sollen. Benjamin hat die beiden Denkm ethoden als die sowohl wissenschaftliche als auch asthetische G rundlage der Tatigkeiten Goethes, die die Koordination von W issen und K unst erm o g lich en , ubernom m en und durch die sp rach p h ilo so p h isch en B etrachtungen d ekonstruiert. G oethe und B enjam in sind in dem Sinne keine AuBenseiter der Geschichte des europaischen Intellekts, die m it ihren eigenartigen V orschlagen den H auptfluss des abendlandischen D enkens m ehr oder w eniger erganzen wiirden, sondem philosophische Abenteurer mit der groBten Tragweite, deren Ziel die G anzheit und die Vollendung des M enschenlebens ist.. 109.

(18) A1. merkungen. _. _/ 1. Hannah Arendt: Menschen in finsteren Zeiten. Miinchen 2001, S. 181.. 2). Ebd. S. 193.. 3]. Walter Benjamin: Gesammelte Schriften(=GS). Frankfurt am Main 1991.Bd. V. S.577.. 4_. G S.B d.I. S.214.. _ 5. Ebd. S. 111.. 6. Ebd. S.226. 7. GS.Bd. II. S.719. 8. Ebd. S. 720. 9. GS.Bd. I. S. 147f. 10). GS.Bd. ILS.736f.. 11). GS. Bd. I. S, 403f.. 12) Ebd. S. 405f.. Ebd. S. 207. (上 智 大 学 享 任 講 師 ). 110.

(19)

Referensi

Dokumen terkait

Salah satu cara yang dapat dilakukan produsen untuk mengetahui posisi persaingannya adalah dengan melihat persepsi pelanggan dalam hal menilai harga dan fasilitas kartu atau

mengumpulkan dan menyusun data mengenai Formasi JFPPP Mewajibkan Instansi Pengguna menyampaikan tembusan pengisian formasi JFPPP kepada Instansi Pembina dan unit

Tujuan penelitian ini adalah untuk menganalisis pengaruh antara kualitas pelayanan terhadap kepuasan emosional konsumen.. Untuk menganalisis pengaruh antara kualitas

Bentuk penelitian dimana prosedur penemuannya  tidak  hanya  menggunakan  alat­alat  statistik  atau  kuantifikasi,  tetapi  penelitian  yang  barkaitan  dengan 

[r]

Metodologi penelitian merupakan langkah-langkah penelitian suatu masalah, kasus, gejala atau fenomena tertentu dengan jalan ilmiah untuk menghasilkan jawaban yang

[r]

Nya sehingga penulis dapat menyelesaikan skripsi yang berjudul Pengembangan Bahan Ajar Yang Terintegrasi Dengan Pendidikan Karakter Untuk Keterampilan Menulis Pada Mata