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DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK Author(s): F. WARNECK

Source: Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde van Nederlandsch-Indië , 1901, Deel 53, 3/4de Afl., [6e Volgreeks, 9e Deel] (1901), pp. 532-543

Published by: Brill

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DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK.

VON

F. WARNECK.

Es ist bekannt, dass die Toba-Batak im nordlichen Sumatra ein eigenartig ausgepragtes //ukum// (Recht) und //adat'/ (Sitte) be sitzen, soweit das Volk noch nicht dem nivellierenden Einfluss des Islam verfallen ist. Das Recht, alien Angesehenen bis in's Einzelne genau bekannt, ist ungemein reich und weitlaufig, denn

es beriicksichtigt alle vorkommenden Verhaltnisse. Vielleicht den breitesten Raura nimmt dabei das Eherecht ein, mit allem was dazu gehort.

I. EHESCHLIESSUNG.

Das Madchen, welcher Einer heiraten will, wird gekauft. Das Heiraten steht also unter dem juristischen Gesichtspunkt des Kaufes. Der Preis schwankt von 50?1000 Dollar. Die Haupt

summe kriegt der Eigentiimer des Madchens (porboru), also in den meisten Fallen ihr Vater und dessen Briider, oder auch ihr Bruder,

wenn dieser nach dem Tode des Vaters das Haupt der Pamilie ist.

Aber der Heiratende, bezw. dessen Eltern ? denn diese kaufen ? miissen genau alle Anspriiche auch der ferner stehenden Ver wandten der Braut erfullen. Denn alle diese Verwandten bekommen

einen normierten Anteil, ausserdem die beteiligten Hauptlinge, und auch die Dorfgenossen. Wenn nicht alle gerechten Forderungen erfullt werden, is der Prozess fertig. Aber auch die Partei, der das Madchen gehort, muss der Partei des Brautigams Geschenke raachen, allerdings kleinere. In Hochtoba zahlt iibrigens auch der porboru dem Brautigam eine ausehnliche Summe (pauseang), in Geld oder Feld. Diese ist manchmal so bedeutend, dass sie den Brautschatz fast aufwiegt. Solche Mitgift wird in Silindung nicht

gegeben.

Gewohnlich wird der Brautschatz (boli) bei der Verlobung in Ord nung gebracht, oder wenigstens angezahlt. Bei der Verlobung muss der

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DAS EHERECHT BEX DEN TOBA-BATAK. 533 Brautigam Geschenke bringen, die genau bestimmt sind; auch

der porboru giebt. Erst mit der Anzahlung ist die Verlobung fest.

Oft verlobt man schon Kinder, was zu vielen Streitigkeiten Anlass giebt, wenn sie gross werden, und dann oft aus der Heirat

nichts wird. Ja man verkauft sogar schon Madchen, deren Geburt man erst erwartet; man giebt solch ein erwartetes Kind z. B. an

als Abzahluug einer Schuld, wenn man kein Geld hat ? eine ergiebige Quelle fur unentwirrbare Streitigkeiten ?. Ein verlobtes Madchen ist nach dem ukum so gebunden wie eine verheiratete Erau; sie darf sich nicht mehr frei bewegen, darf nicht mit Junglingen sprechen, oder gar Geschenke annehmen. Das Sprich wort sagt von der Braut: //Eine Verlobte ist wie eine Karbau, die

auf die Weide gefuhrt wird; eine Karbau kann freilich noch sich losmachen, aber ein verlobtes Madchen is gebunden, und kann nicht mehr wie sie will.// Wehe dem Jungling, der sich an sie heran macht, er fallt unter das Gesetz der //pamolamola//, d. h.

dessen, der eine Frau oder Braut abspenstig macht. Die Verlobte ist Eigentum ihres Brautigams, weil er sie gekauft hat, obgleich sie noch nicht bei ihm ist.

Wenn ein Mann den Brautschatz oder einen Teil davon

empfangt, wahrend er noch gar keine Tochter hat, so nennt man das //morboru tapang//. Wird ihm dann eine Tochter geboren, so kommt der Vater des Brautigams und bringt Geschenke. Auch koramen die Hauptlinge dazu. Es wird ein Mahl gehalten, dem Mad

chen und Knaben Reis auf s Haupt gestreut und beiden ein giinstiger Name gegeben. Auch der Vater des Madchens giebt eiu Geschenk.

Damit ist das Parchen definitiv verlobt. Man kann sich denken, dass solche Kinderverlobungen oft nicht zur Ehe fiihren. In Hochtoba kommt oft der ebenso uunaturliche Fall vor, dass ein Vater seinem kleinen Sohne ein erwachsenes Madchen als Frau

zufiihrt, wahrend der Knabe noch nicht 10 Jahre alt ist. Das ist dann aber nur eine andre Form fur Vielweiberei, denn thatsachlich braucht der Vater das Madchen als seine Nebenfrau.

Die Trauung wird durch die Hauptlinge (radja) vollzogen. Der nachststehende radja belehrt sie dariiber, dass sie sich lieben miissen, und sagt dann folgendes: //Stirbt der Mann, so wird er ersetzt (namlich durch den nachsten ledigen Verwandten des Ver storbenen); stirbt die Frau, so wird sie ersetzt (aus der Familie der Frau, meist durch ihre jiingere Schwester); darum liebt euch und schickt euch in einander. Wenn auch der eine sich gegen

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534 DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK.

seinen Gatten nicht schon benimrnt, so flickt man gegenseitig das Zerrissene und naht das Durchlocherte. Streitet nicht mit einander oder mit dem Schwiegervater. Thue als wenn du's nicht sahest, thue als wenn du's nicht hflrtest, wenn etwas Ungezie mendes vorkommt. Pflegt die Hoflichkeit gegen die Verwandten,

so wird Gott euch segnen. Seid fruchtbar, zeugt Sohne und Tochter, mit denen zusammen ihr alt werdet." Darauf thut der radja sie

zusammen. Zum Zeichen der Zusammengehorigkeit miissen die jungen Eheleute von einem Teller essen, auf einer Matte sitzen , und sich in eine Matte zusammen einwickeln lassen. Damit sind

sie verheiratet.

Oft kommt es vor, dass ein Madchen dem Manne ihrer Wahl zulauft, wenn dieser z. B. zu arm ist, um den geforderten Brautschatz zu zahlen. Man nennt dies //mahiempe//. Das ist dann fur den porboru eine missliche Sache, denn er muss sich nun begniigen met dem, was ihm der Brautigam geben kann. Aber auch so wird die Prau natiirlich gekauft. Kommt dann die junge Frau spater mal zu Besuch zu ihren Eltern und bittet um irgend etwas, wie

das bei solchen Besuchen geschieht, so kriegt sie statt des Geschenkes bose Worte zu horen. Doch kann man annehmen, dass meist die Eltern die Hauptschuld tragen, wenn ein Madchen einem Manne zulauft; denn wiirden sie sich gutwillig mit dem Manne aus ein andersetzen, den ihre Tochter durchaus haben will, so kame die Sache wohl in Ordnung. Wenn also ein Madchen durchaus den Einen haben will, so thun die Eltern weise, sich nicht zu sehr

zu sperren, sonst haben sie nur Verdruss. Strafbar ist ein solches Madchen nicht, wohl aber anriichig.

Eine weitere Verwicklung tritt ein, wenn ein Mann ein Madchen mit Gewalt entfiihrt (mangabing). Wenn namlich der Jiingling Geld hat, aber aus irgend einem Grunde die Eltern des Madchens ihn nicht zum Schwiegersohn haben wollen, so fasst dieser den Plan , das Madchen rait Gewalt zu holen. Er muss es aber erst

seinem radja anzeigen, damit der Raub rechtmassig vor sich geht.

Dieser stellt ihm vor, dass er dafur wird Strafe zahlen miissen, so viel der porboru immerhin verlangt. Dann holt er das Madchen, unterstiitzt van seinen Freunden. Im Dorfe angekomraen, veranstatten sie ein Pest, wobei die bataksche Musik spielt. Hierbei kommt es nun bisweilen vor, dass das Madchen plotzlich wieder fortlauft, wenn sie namlich den Mann nicht mag. Das ist dann eine grosse Blamage fur den Rauber, woriiber er gehorig verspottet wird.

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DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK. 535 Meist ist es aber zwischen den beiden ein abgekartetes Spiel. Am

andern Morgen kommt voll Zorn der porboru mit seinen Genossen.

Darauf folgendes Zwiegesprach: //Wo ist meine Tochter, die du geraubt hast?// //Ich habe deine Tochter nicht geraubt, ich will sie

zu rneiner Frau machen, sie sitzt irn Hause auf schoner Matte.

Setzt euch mal erst, mein Fiirst//. //Wir wollen nicht sitzen, ich will sie durchaus jetzt ho!en. Komme in mein Dorf, wenn du sie

haben willst. Ich habe ja ein Haus und eine Reisscheune (wo man namlich sitzen kann, um die Sache zu besprechen). Was dugethan,

ist Unrecht//. So geht es noch eine Weile weiter, dann giebt der Mann dem Vater //upa hundul//, das ist ein Geschenk, dassersich erst mal ruhig setzt, meist ein Goldstuck. Darauf wird gekocht und die Gaste werden zum Essen eingeladen. Ehe sie essen, muss der Missethater wieder eine Busse bezahlen, damit sie sich herbeilassen

zu essen, wieder ein Goldstuck oder eine teure Halskette. Dann verhandeln sie lange liber den Brautschatz, den der porboru natiirlich

so reichlich wie moglich bemessen haben will. Im iibrigen ist dann der Verlauf wie bei einer geordneten Heirat. Wahrend das vorhin erwahnte mahiempe fur nicht anstandig gilt, so hat das mangabing keinen Schimpf; kommt der porboru doch voll und ganz zu seinem Gelde, und das ist ja die Hauptsache. Das wirkliche Unrecht

fangt auch beim Heiraten erst da an, wo es mit dem Bezahlen nicht stimmen will. Dieses mangabing kann sich freilich nur Jemand

leisten, der ziemlich Geld hat; er ist also mehr fur die Noblen.

Das mahiempe ist ultima ratio der Aermeren.

Wenn die Erau stirbt, so war in friiheren Zeiten das uhum so, dass, wenn kein Sohn da war, der porboru das fur seine Tochter empfangene Geld an den Mann zuruckzahlte, oder dem Witwer eine andre Tochter unentgeldich fur die gestorbene gab. Denn die FraH ist in ester Linie dazu da, den Manne Sohne zii gebaren;

das ist die Gegenleistnng, die sie schuldig ist dafiir, dass die teuer gekauft wurde. Erfullt sie diese nicht, so ist der Kontrakt anfechtbar.

Stirbt die Frau also, ohne ihrem Manne Sohne geschenkt zu haben, so hat sie dem Manne das nicht geleistet, weshalb er sie gekauft hat. Tochter zahlen da nicht mit, denn die erben nicht. Man kam aber spater zur Einsicht, dass das doch ein harter uhum sei, denn die Frau ist doch nicht strafbar, wenn sie ohne Sohne stirbt, und den porboru trifft doch erst recht keine Schuld. Darum anderten die Sohne einer gewissen Guru Mangalongsa das Gesetz dahin:

Stirbt eine verheiratete Frau, so ist der Brautschatz ein fur allemal

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536 das eherecht bei den toba-batak.

verloren, den Verlust tragt der Kaufer, d. i. der Mann der Ver storbenen. Dieses heute allgemein gehandhabte uhura nennt man

//sumbang//.

I. Ehescheidung.

Eigentlich ist Ehescheidung unzulassig, sobald der Brautschatz gezahlt ist; uach Art eines abgeschlossenen Kaufes, der nicht

riiekgangig gemacht werden kann. Thatsachlich kommt aber Scheidung nicht selten vor, und so haben sich mit der Zeit folgende modi gebildet:

1. Bisweilen wird dem Manne seine Frau verleidet (//magigi//) , und er schickt sie weg. Dann ermahnen ihn seine Eltem und Verwandten zunachst, die Frau doch wieder aufzunehmen. Sie

sagen z. B., um darzuthun, wie nahe eine Frau ihrem Manne steht, ein unipama (Sprichwort): //Man lasst seinen eigenen Korb zuriick, um einer Andern Korb zu kriegen; man verlasst seine eigene Mutter, um einer Andern Tochter zu kriegen.// Bleibt er aber bei seiner Weigerung, dann fallen die radja den Spruch, dass der Brautschatz an den Mann zuriick muss, aber erst, wenn die Geschiedene an einen Andern verkauft ist. Aber alle seine durch die adat gebotenen Unkosten damals beim Kauf der Frau, sowie alle Geschenke, die er Fernerstehenden damals hat geben miissen, sind verloren; davon kommt nichts zuriick. Auch muss

er den Angehorigen der Geschiedenen ein ansehnliches Geschenk (//piso//) machen.

2. Wenn die Frau ihrem Manne weg lauft, und durchaus nicht wiederkommen will, so heisst das //mahilolong//. Da liegt aber

die Sache ganz anders, denn jetzt tragt die Frau die Schuld. Nun muss der porboru nicht nur den ganzen Brautschatz wieder heraus

geben, sondern auch dem gekrankten Ehemanne seine samtlichen Unkosten, die er bei seiner Heirat gehabt hat, erstatten. Man

rechnet, dass der Vater der Frau etwa doppelt so viel wiedererstatten muss, als er s. Z. empfangen hat. Das ist ein hartes, aber gutes Gesetz, um dem leichtsinnigen Auseinanderlaufen zu wehren. Es ist bezeichnend fur das bataksche uhum, dass, wenn die Heirat durch Schuld der Manner aus einander geht, er doch sein Geld wiederkriegt, und yerhaltnissmassig wenig materiellen Schaden hat.

Hingegen ist die Sache schwierig und fur die Familie der Frau sehr kostspielig, wenn durch Schuld der Frau die Heirat aus

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DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK. 537 einander geht. Die Frau ist eben ein Stuck Waare, iiber die der Mann verfugen kann, die aber nicht das Recht hat, selbst in ihr Geschick einzugreifen. Wenn daher eine Frau zu ihren Verwandten

zuriicklauft, so brauchen diese ihre ganze Kraft und List, urn, sie wieder ihrem Manne zuzufuhren, sowohl Uberredungskiinste als Gewalt. Wenn alles Zureden nichts hilft, legt der Vater die Tochter wohl in dem Block, //bis der Block einen Schossling

bekommt//, d. h. bis sie da ein Kind gebiert. Wenn ihr Mann sie lieb hat, so kommt er und leistet ihr Gesellschaft, wahrend sie im Block sitzt. Wenn so die arme Frau fortgehend bearbeitet wird, geht die bisweilen zu ihrem Manne zuruck. Bleibt sie aber starr kopfig und erklart, sie wolle eher sterben als dieses Mannes Weib bleiben, so muss sich endlich der porboru bequemen, die Ver wandten des Ehemannes zu rufen, um zunachst ein Essen zu geben und einen Ersatz zu zahlen fur die wahrend der Trennungszeit dem Manne verloren gegangene Arbeitskraft der entlaufenen Frau.

Dann wird der Fall den Hauptlingen vorgelegt, und diese richten nach dem obigen Rechtsgrundsatz. Thatsachlich kommt es vor, dass ein Weib sich das Leben nimmt, um nur ja nicht zu dem verhassten Manne zuruckzumiissen.

3. Will ein Jungling das ihm verlobte Madchen schliesslich nicht heiraten aus irgend einem Grunde, so kommt der Braut schatz an ihn zuruck: aber seine Unkosten an verteiltem Fleisch und Geschenken bleiben auf ihm hangen, und er muss dem por boru noch ein ansehnliches Geschenk machen. Denn die Sache

liegt so wie bei uns das Ruckgangigmachen eines Kaufes, wel cher natiirlich mit Verlusten fur den reuigen Kaufer verknupft ist. Bisweilen geht die Scheidung der Verlobten auch ohne Busse von Seiten des weiland Brautigams vor sich, wenn es namlich beiden Parteien so recht is.

4. Sofort liegt die Sache wieder anders, wenn das Madchen die Schuld an der Aufiosung der Verlobung tragt, indem sie den Brautigam durchaus nicht haben will. Dann kommen die Hauptlinge

zusammen und fallen ihr Urteil dahin: Alle Geschenke des Vaters der Braut sind verfallen; der Brautschatz kommt ganz zuruck an den Brautigam, aber zugleich auch seine samtlichen Unkosten von der Verlobung her. Wenn daher irgend moglich, wird die Ver

lobung von Seiten des porboru aufrecht erhalten, und das Madchen muss oft genug gegen ihren WTillen einen Mann heiraten. Jetzt

ist das freilich vom Gesetz verboten, aber der porboru hat Mittel

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538 das eheeecht be1 den toba-batak.

genug in den Handen, urn so ein eingesclmchtertes Madchen zu bewegen, dass sie scheinbar gutwillig ihre Zustimmung giebt.

III. Ehebruoh.

1. Ein hartes Gerioht ergeht iiber denjenigen, welcher ein Ehepaar oder auch ein verlobtes Paar auseinander bringt, indem

er die Prau dein Manne oder den Mann der Erau abspenstig macht (//pamolamola//). Es braucht nur ein junger Mann einige Worte mit einem Madchen oder einer Erau zu wechseln, um sofort

in den Verdacht des pamolamola zu koinmen. Handelt es sich nur um einen vagen Verdacht, so kommen die radja zusammen und horen beide Parteien an. Das Ende ist dann, dass der Angeklagte sich rein schwort. Damit ist die Sache erledigt. ? Ist ein Zeuge vor handen, welcher den pamolamola beobachtet hat, sonst abernichts bestimmtes zu sagen weiss, auch kein Zeichen oder Beweis in Handen hat, dass der Verklagte wirklich hat abspenstig machen wollen, so kann dieser wiederum durch einen Eid sich rein schworen;

diesmal aber durch einen starkeren Eid (//gana indahan//). ? Hat der Zeuge etwas bestimmtes in der Hand, irgend ein Stuck Eigentum des Verklagten, das man bei der Prau gefunden hat, so tritt das feierliche Gericht der radja zusammen. Angeklagter behauptet natiirlich, er habe das corpus delicti irgendwo verloren. Die in's Verhor gezogene Prau redet sich heraus, sie habe das Stuck

irgendwo gefunden und einstweilen aufgehoben, bis die den Besitzer erfahren habe. Merkt man, dass sie liigen, so wird der Reinigungs eid des Mannes nicht angenommen. Er muss, nachdem er die Gerichtsversammlung mit Reis und Pleisch bewirtet hat, eine be

deutende Strafsumme, und ausserdem noch Geld an die Hauptlinge zahlen (Gerichtskosten); endlich auch noch schworen, dass er sich in Zukunft solcher Dinge enthalten will.

2. Steht Einer im Verdacht, mit der Prau eines Andern ehe brecherischen Umgang zu haben, so kann ersich, wenn ihm nichts bewiesen werden kann, freischworen. Wird Einer beim Ehebruch ertappt, so darf er auf der Stelle totgeschlagen werden. Wird er gesehen und verfolgt, so legen sich die Hauptlinge in's Mittel und rufen die Parteien vor ihr Porum. Es geht dann etwa so zu:

Der beleidigte Ehemann sagt aus, er habe den Verklagten bei seiner Prau auf dem Pelde gesehen, dieser sei dann aber schleunigst entflohen, sein Kleid habe man noch bei der Prau gefunden, Der

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DAS EHERECHT BEX DEN TOBA-BATAK. 539 Beklagte versichert, er habe nur harmlos mit der Frau gesprochen , und sie iiber etwas gefragt; er sei auf dem Wege nach dem Dorfe A.

gewesen, urn da etwas zu holen; geflohen sei er, weil er den Ehemann wiitend mit dem Messer heranlaufen sah; um iibereilte Handlungen von beiden Seiten zu vermeiden, sei er eilig davon geflohen. Seine Aussagen aber stimmen nicht mit denen der Frau

iiberein, welche auch verhort wird. Sein Eid wird nicht angenom men; andrerseits aber auch dem Ehemann nicht mehr gestattet,

ihn zu toten. Er muss eine grosse Busse bezahlen, ausserdem Gerichtsgebuhren an die Hauptlinge. Denn nach batakschem Recht kann schliesslich alles mit Geld abgemacht werden, sogar Mord.

Die Geldstrafe ist in solchem Ealle um so bedeutender, je angesehener der beleidigte Ehemann ist.

3. Wird der Ehebrecher aber in flagranti ergriffen, so wird er unbarmherzig totgeschlagen, und dieser Totschlag darf nicht gestraft oder geracht werden. Man nennt einen solchen ertappten Verbrecher

//Schwein im Reisfeld//; denn ein im Beisfeld angetroffenes Schwein darf auf der Stelle getotet werden. Piirchtet sich aber der Ehemann,

ihn sogleich zu toten, so bindet er ihn erst an einen Pfahl in seinem Dorfe an, seine eigene Frau aber auch. In diesem Ealle kommt der Ehebrecher schliesslich nach langen Yerhandlungen mit

einer Geldbusse davon. Es geht ahnlich zu wie oben (2). Hat der Ubelthater aber nichts zu zahlen, so darf der Gatte ihn toten,

und totet ihn auch auf grausame Weise. Der gefallenen Frau werden die Haare, ihr hochster Schmuck, abgeschnitten. Moclite ihr Mann aber diese Schande vermieden haben, so kann er das Haar loskaufen durch eine Summe, die die Hauptlinge jedesmal

bestimmen. Das Geld bekommen die richtenden radja.

4. Wer sich die Erau eines Andern oder die Braut eines Andern aneignet, dass sie seine Erau oder Braut wird (//pangalangkup//),

ist vogelfrei erklart, und verfallt der Rache des rechtmassigen Besitzers. Wohin er flieht, darf der Racher ihm folgen. Ist der Missethater ein angesehener oder reicher Mann, so wehrt er sich, und es giebt Krieg von der Sorte, die nie ein Ende findet, denn

eine Verstandigung ist nicht moglich. //Pangalangkup// ist also derjenige, welcher eine von einem Andern bereits gekaufte Erau

(oder Braut) an sich zieht. Die Sache steht also unter dem juris tischen Gesichtspunkt des Diebstahls, nur dass das Object sehr wertvoll ist. Kommt die Sache vor die Hauptlinge, was der Ehe brecher natiirlich nicht haben will, so wird dahin entschieden,

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540 DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK.

dass der pangalangkup den Brautschatz siebenfach als Strafe zahlen muss, ausserdem noch einige Karbauen. 1st aber der Missethater mit den rechtsprechenden radja verwandt, so giebt es auch Mittel

und Wege, urn leichtere Strafen zu finden. Denn die Durchfuhrung des uhum entspricht nicht immer den Principien,

5. Wer erne Frau over ein Madchen vergewaltigt, ist nicht dem Tode verfallen, wie man nach Analogie der pangalangkup meinen sollte. Er muss eine Strafsumme zahlen, ahnlich dem

pamolamola. Von diesem Gelde bekommt der Mann der gekrankten Prau, beziehungsweise der porboru, die Halfte. Es ist also auch hier nur der Gesichtspunkt des geschadigten Eigentums. Das neue Recht urteilt darin allerdings anders.

6. Ein eigenartiger Rechtsfall im batakschen Eherecht muss noch erwahnt werden. In einem Batakhause wohnen meist 3?4 Pamilien.

Jede Familie hat ihre besondere Hausecke, aber diese sind nicht getrennt, weder durch Verschlage noch durch Matten; alles ist

offen. Nachts brennt kein Licht im Hause. Nun kommt folgender Fall vor: Einer der verheirateten Manner ist zufallig abwesend.

Irgend einer der anwesenden mannlichen Bewohner muss des Nachts einmal hinausgehen. Er tappt im Dunkeln herum, findet

die Treppe nicht und verirrt sich, wie das ja wohl schon Jedem in seinem Schlafzimmer passiert ist. Der Aermste stosst nun beim Herumtappen zufallig an eine der im Hause schlafenden Frauen,

in diesem Falle gerade an diejenige, deren Mann abwesend ist.

Das Weib kreischt auf, denn sie denkt im ersten Schrecken: der Mann will ihr ein Leid anthun. Sofort ist das ganze Haus in

Aufruhr. Sobald der Mann der sich beleidigt fuhlenden Frau zuriickgekommen ist, werden die radja zusammengerufen. Das Ende der erregten Verhandlung ist natiirlich dies, dass der Verdachtigte

schworen muss, er habe keine bose Absicht gehabt. Damit ist die Sache abgethan.

IV. WlTWENSCHAFT.

Wenn eine Frau Witwe geworden ist, so darf sie nicht nach Willkur irgend einen Beliebigen wieder heiraten, sondern sie muss von dem nachsten Verwandten (Bruder) des Gestorbenen genommen werden, denn dessen Familie hat sie ja gekauft. Sie muss also unter alien Umstanden in der Familie des verstorbenen Mannes bleiben. Ist der Bruder des Verstorbenen noch klein, so muss sie

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DAS EHEBECHT BEI DEN TOBA-BATAK. 541 warten, biss er gross wird, damit er sie dann heiratet. Die adat

fordert, dass sowohl Witwe als Witwer ein Jahr warten, bis sie wieder heiraten; thun sie das nicht, so sind sie freilich nicht

strafbar, aber verfallen dem Spott des Volks. Stirbt die Frau, so bekommt der Mann den s. Z. gezahlten Brautschatz nicht zuriick

(s. oben uhum sumbang). 1st der Mann, welcher die Witwe heiratet, dem Verstorbenen nahe verwandt, so erbt er die s. Z.

gekaufte Frau und braucht sie darum nicht zu kaufen; nur den Hauptlingen, welche die Sache besprechen, giebt er ein Mahl.

Vom Vater der Witwe erhalt er ein Geschenk. Das Sprichwort sagt von solchen:

//Holzschindeln werden raurbe, Holzschindeln treten an ihre Stelle.

Wenn der altere Bruder stirbt, So tritt der jiingere an seine Stelle.//

Diese nahere Verwandtschaft zahlt bis zu den Sohnen derVaters des Verstorbenen und den Sohnen der Bruder des Vaters. Heiratet

-ein Andrer die Witwe, so bestimmt sich der Brautschatz, den er zu zahlen hat, nach dem ferneren oder naheren Verwandtschafts grade, so dass der nahere wenig, ein Geschenk oder ein Viertel der Ublichen, zahlt; der fernere die Halfte und mehr, bis zum Ublichen. Halt Einer sich nicht genau an diese Bestimmungen,

die bis in's Einzelne geregelt sind, so miissen die Hauptlinge iiber den Rechtsfall urteilen, nach Massgabe dessen, was der Verstorbene s. Z. fur die Frau gegeben hat. ? 1st ein Sohn da, wenn der Mann stirbt, so ist dieser Erbe von allem. Dann ist es auch nicht notig, dass die Witwe wieder heiratet, denn ihr Sohn deckt sie. Hat sie aber keinen Sohn, so ist sie rechtloses Eigentum der Familie

ihres Mannes. Die Giiter des Mannes fallen in diesem Falle an die Verwandten des Mannes zuriick. Madchen erben nicht. Bekommt die Frau Sohne mit dem zweiten Manne, so ist doch nur der

Sohn der ersten Erbe seines Vaters, worauf streng gesehen wird.

Was der zweite Mann erwirbt, wird zwischen den Sohnen aus der ersten und aus der zweiten Ehe geteilt. Doch kommt es dariiber oft zu Zank und Prozessen. Eiue Witwe hat er immer besser, wenn ein Bruder ihres verstorbenen Mannes sie nimmt, als ein Fremder. Darum sehen die heiratsfahigen Madchen von vom herein darauf, wo moglich einen Mann zu bekommen, welcher Driider hat. Die Madchen haben dariiber ein Liedchen:

6e Volgr. IX. 35

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542 DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK.

//Ich mag nicht einen einzelnen Zweig nehmen;

Vielleicht ist er unfruchtbar, und setzt keine Friichte an.

Ich mag nicht den heiraten, der einziger Sohn ist:

Vielleicht stiirbe er, und dann ist Niemand da, der die Witwe nimmt'/.

Alle Schulden und Schuldforderungen des Gestorbenen erbt derjenige, der seine Witwe nimmt. Also ist solch eine Witwe unter Umstanden eine zweifelhafte Gabe, welche so und so viele Prozesse mit in's Haus bringt. Bei einem einzelnen batakschen Stamme

besteht die merkwiirdige Sitte, dass alle Kinder, die dem zweiten Manne geboren werden, als Kinder des ersten gerechnet werden.

Dalu-Eber nennt man einen solchen Mann. Dieser wird also nicht eigentlich Mann jener Prau und damit Pamilienhaupt, sondern hat nur die Aufgabe, dem Verstorbeuen Kinder zu erwecken, eine ahnliche Sitte, wie sie bei den Juden bestand.

V. VlELWEIBEREI.

Vielweiberei ist bei den Batak erlaubt und gilt fur nobel, aber ist doch thatsachlich Ausnahme, da der gemeine Mann sich einfach nicht zwei Prauen kaufen kann. Er kommt also nur bei Vermogenden vor, und deren giebt es nicht viele. Die Veranlas

sung, eine zweite Prau zu nehmen, ist allermeist die, dass em Mann von seiner Prau keine Sohne bekommt, oder auch die

Sohne ihm gestorben sind, und er nicht mehr Aussicht hat r welche zu bekommen. In diesem Falle handelt er meist im Ein vernehmen mit seiner ersten Frau, manchmal fcreibt ihn diese sogar dazu an, noch eine Frau hinzuzunehmen. Denn keinen Sohn zu haben, ist fur den Batak furchtbar schwer. Manchmal komt Einer dadurch an eine zweite Frau, dass er das Madchen eines Schuldners an Zahlungsstatt annimrat. Auch kommt es vor, dass Jemand nur aus Hochmut eine zweite Frau nimmt, um seinen Eeichtum leuchten zu lassen; doch ist das selten. Gewohnlich hat

der Mann keine ruhige Stunde mehr, denn Zank und Eifersucht zwischen den Frauen hort nicht auf, so dass es sogar den zank lustigen Batak sprichwortlich geworden ist. Die Frauen suchen sich sogar unter einander zu vergiften und die Leibesfrucht abzu treiben. Wenn der Mann von seiner Nebenfrau einen Sohn bekommt, so kennt die Wut und der Neid der ersten keine Grenzen. Sie wohnen getrennt in verschiedenen Dorfern; auch ihre Kinder

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DAS EHERECHT BEI DEN TOBA-BATAK. 543

befehden sich unter einander, indem jeder die Partei seiner Mutter ergreift. So ist die Mehrweiberei eine Quelle vieler Prozesse.

Bekanntlich sind grosse Gebiete der Bataklande christlich geworden (c. 40000 Christen). Man hat nun bei den Christen so viel moglich von dem alten uhum beibehalten, und nur das geandert, was sich mit christlichen Grundsatzen nicht vertragt.

Die radja selbst haben nach dieser Seite hin verstandig gearbeitet.

Der Prauenkauf z. B. ist beibehalten, da er entschieden hier viel gutes hat; die Ehescheidung wird dadurch betrachtlich erschwert.

Das entspricht ja freilich noch nicht der idealen Auffassung, die das Christentum von der Ehe hat. Indessen die Erfahrung lehrt, dass es noch nicht an der Zeit ist, diese Sitte zu andern. Leider fehlt dem christlichen uhum noch die oberste Bestatigung.

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