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Literaturproduktion

Dalam dokumen Theodor Fontane und das Publikum FINAL (Halaman 57-63)

III. Literaturverbreitung

3.2 Literaturproduktion

Zweck religiöser und patriotischer Erziehung benutzt wurden.122 Die Bildungsvereine spielten in der Grundausbildung des Volks auch eine wichtige Rolle. Sie boten nicht nur eine

Elementarbildung (Lesen, Schreiben, Rechnen, Mathematik, Geschichte, Gesang, Turnen mit Schwerpunkt am Fachunterricht) an, sondern wirkten auch in der Verbreitung von Lektüren durch die Gründung von Volksbibliotheken mit.

deutschen Klassikern (Lessing, Goethe, und Schiller), Klassiker der Weltliteratur (Shakespeare, Molière, Homer, Puschkin usw.) sowie auch allgemein beliebte Werke, wie z.B. damals die Lyrik von Theodor Körner zu nur 2 Groschen, und dies wegen der hohen Verkaufszahlen ein halbes Jahrhundert lang.125 Weitere gesetzliche Regelungen, die auf die Produktion von gedruckten Medien positiv einwirkten, waren das einheitliche Gewerberecht (1869), das eine Firmengründung ohne Einschränkungen ermöglichte; der Urheberrechtsschutz, der

das Urheberrecht zwischen Nationen anerkannte, demzufolge Übersetzungen nicht mehr honorarfrei veröffentlicht werden konnten; sowie die Pressegesetzgebung, die das Anzeigemonopol aufhob.126

Im Gegensatz zur Stagnation in der Buchproduktion begann eine Blütezeit der Periodika, vor allem der Familienzeitschriften, gerade in den 50er Jahren. Ernst Keils Gartenlaube wurde im Jahre 1852 gegründet, erreichte 1861eine Auflagehöhe von ung.100000 und 1873 400000.127 Keils Erfolg bestand darin, dass er den Bedarf des Publikums an leichter Unterhaltungslektüre erkannte, und breite Schichten von Lesern vom Adel bis zum Kleinbürgertum ansprechen konnte. Sein Hauptpublikum setzte sich jedoch vornehmlich aus den Familien des Klein- und Mittelbürgertums zusammen, vor allem aus ihren Frauen. Mit seiner Zeitschrift wollte er seinem Publikum Bildung und Unterhaltung im liberalen und nationalen Sinne anbieten. Sein Programm bestand aus illustrierten Gedichten und Novellen, belehrende Briefe, Lebensbilder großer

Männer, Darstellung von Sitten und Bräuchen deutscher und fremder Völker sowie kleine

125 Frank R. Max, Der Reclam Verlag. Eine kurze Chronik (Stuttgart: Reclam, 2012) 11-12.

126 Becker 132.

127 Siehe Becker 90; Langenbucher 62. Die Zahlen sind in den verschiedenen Studien unterschiedlich, so findet man z.B. bei Kristen Belgum 385000 Exemplare im Jahre 1875. In: Kristen Belgum, Popularising the Nation: Audience, Representation, and the Production of Identity in Die Gartenlaube, 1853-1900 (Lincoln: University of Nebraska Press, 1998) 12.

feuilletonartige Artikel über Literatur und aktuelle Nachrichten aus der Zeit.128 Nach dem Vorbild der Gartenlaube gab es weitere Gründungen von Familienzeitschriften mit anderen konfessionellen und politischen Ausrichtungen, wie das christlich-konservative Daheim oder später die sozialdemokratische Neue Welt, aber auch Rundschauzeitschriften mit höherem literarischen Niveau, wie die Deutsche Rundschau und Nord und Süd.129 Diese Zeitschriften konnten jedoch die Auflagehöhe von Gartenlaube nie erreichen.

Neben den Familienzeitschriften gab es noch weitere Unterhaltungszeitschriften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die neben dem gebildeten Publikum auch die neuen Leserschichten zu erreichen suchten. Hier sollen von ihnen drei hervorgehoben werden: die Illustrierten, die Witzblätter und die Bilderbogen.

Als erste Illustrierte in Deutschland galt die Leipziger Illustrierte Zeitung, die in den 40er Jahren gegründet wurde, aber im Vergleich zu den Familienzeitschriften weniger erfolgreich war. Der Aufschwung der Illustrierten begann in den 80er Jahren, womit bessere und

preisgünstigere Bilder gedruckt werden konnten. Ihren Erfolg erzielten die Illustrierten durch eine bewusste Annäherung an die Tageszeitung und brachten neben Artikeln zu allgemeinen Themen und den Fortsetzungsromanen auch aktuellen Nachrichten. Sie richteten sich an ganz verschiedene Schichten. So war z.B. die Illustrierte Zeitung an eine reichere Mittelschicht gezielt, wogegen sich die Berliner Illustrierte Zeitung an die ärmeren Schichten und ihre Interessen und Bedürfnisse wandte. Indem die Illustrierten viele Leser ansprechen konnten, wurden sie mit der raschen Entwicklung der Photographie zu einer der wichtigsten

Unterhaltungsmedien der Jahrhundertwende und der ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts.

128 Becker 118-19.

129 Becker 90.

Satirische und humoristische Blätter und vor allem politische Witzblätter sind prägende Medien der Umbruchzeiten, der politischen Unterdrückung und der Zensur und konnten deshalb zwischen Vormärz und der NS Zeit besonders florieren.130 Es gab eine Reihe von Witzblättern und kritisch-satirischen Zeitschriften mit unterschiedlichen Themen und von unterschiedlicher Schärfe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, von denen die Fliegenden Blätter und Kladderadatsch am wichtigsten waren. Das Blatt Fliegenden Blätter (1844-1944) wurde in München herausgegeben. Populär war das Blatt wegen seiner leichten Unterhaltung, der humorvollen Darstellung von Tagesereignissen ohne Anstößigkeit und viel Politik vor allem in den unteren Mittelschichten, dem Kleinbürgertum. Dagegen war das humoristisch-satirische Wochenblatt Kladderadatsch, das 1848 in Berlin gegründet wurde, vor allem auf das gebildete Bürgertum gerichtet. Es war in Ton wie in Thematik viel kritischer als die Fliegenden Blätter und wurde oft wegen „Schmähung der preußischen Zustände” beschlagnahmt. Es bot viel Politik und Gesellschaftskritik an, und es wollte nicht nur informieren sondern die Meinung seiner Leser bilden.

Ein weiteres Unterhaltungsblatt, das speziell für die Unterschichten und die unteren Mittelschichten (Kleinbürger) bedacht war, ist der Bilderbogen. Der Bilderbogen war eine Mischung des Kalenders, Flugblattes und Plakats und ein Vorläufer des Comics, der aktuelle Ereignisse der Zeitgeschichte, Allgemeinwissen, religiöse Themen, Genrebilder und Märchen in Bildern als Einblattdruck für das teilalphabetisierte Volk erzählte. Er war zwischen den 30er und 80er Jahren populär, bevor sie von den Fotografien der Illustrierten und Comic-Strips der

Zeitungen abgelöst wurde. Die Bilderbogen hatten einen kurzen Text mit einer moralischen Lehre und große, bunte Bilder oft in grellen Farben zur Verständlichkeit und Anschaulichkeit.

130 Rudolf Stöber, Deutsche Pressegeschichte. Einführung, Systematik, Glossar (Konstanz: UVK Medien, 2000) 245.

Sie hatten verschiedene Typen wie z.B. der Kinderbogen, Bildungsbogen, Aktualitätenbogen und der Lehrbogen, die auf verschiedene Publika gezielt waren. Das Gemeinsame an ihnen war aber das Belehren, Informieren, Erbauen und Unterhalten des Volks.131 Die meist bekannten

Bilderbogen sind der Neuruppiner Bilderbogen von Gustav Kühn, der hauptsächlich das

ländliche Volk und die ungebildeten Arbeiter in den Städten zum Zielpublikum machte und der Münchener Bilderbogen, der die Bildung und Popularisierung von Kunst auf einem künstlerisch anspruchsvolleren Niveau anstrebte und hauptsächlich von den unteren Mittelschichten in den Städten gelesen wurde. Im Vergleich zum Münchener Bilderbogen galt der Neuruppiner Bilderbogen als „Schund” und „verwerfliche Trivialität.”132

Mit dem Erscheinen der Generalanzeigepresse um 1880, ging die Popularität der Familien- und vielen Unterhaltungszeitschriften zurück. Der General-Anzeiger, der heute als

„der Prototyp der Massenpresse” gesehen wird, wurde in Großstädten wie Berlin und Hamburg gegründet, denn dort konzentrierte sich ein potenzielles Massenpublikum, das durch ein weites Themenangebot von aktuellen, lokalen Nachrichten, Sensationen, Rechts- und Lebensberatung bis zur Unterhaltung (Fortsetzungsromane, Feuilleton) sehr billig erreicht werden konnte.133 Der niedrige Preis war einerseits dem gewaltigen Anteil der Anzeigen, andererseits aber der

Auflagenhöhe zu danken. Der Erfolg dieser Blätter ergab sich aber auch aus neuen

Verkaufstechniken wie Gratisverteilung oder Kopplungsgeschäfte (z.B. Lebensversicherungen).

So wurde z.B. die Berliner Morgenpost ab 1898 in etwa 500000 Exemplaren verkauft.134

131 Faulstich, Medienwandel 110-111.

132 Faulstich, Medienwandel 121.

133 Schiewe 151.

134 Bernd Sösemann, „Die Presse ist der `Dampfwagen der Gedanken´. Verleger und Journalisten im Wandel von Öffentlichkeit und Politik in der Ära Bismarck,” Regierung, Parlament und Öffentlichkeit im Zeitalter Bismarcks.

Politikstile im Wandel, ed. Lothar Gall (Padeborn, München: Schöningh, 2003) 83.

Ab den 80er Jahren zeigte sich die dynamische Entwicklung der Presse auch in der starken Expansion der Presse im Allgemeinen. So gab es beispielsweise im Jahre 1867 noch etwa 1000 Zeitungen und Zeitschriften, um die Jahrhundertwende verfünffachte sich diese Zahl.135 Dabei wuchs nicht nur die Zahl der Redaktionen (um 1890 rund 600), sondern auch die Zahl der großen Medienverleger wie Rudolf und Emil Mosse, Louis und Rudolf Ullstein oder August Scherl in Berlin, die mehrere Zeitungen, Verlage, Druckereien und Buchbindereien in einem Unternehmen vereinten.136 August Scherl z.B. verfügte im Jahre 1892 über einen Verlag, einen Nachrichtendienst, und Periodika wie der Berliner Lokalanzeiger, Der Tag, Die

Gartenlaube, Die Woche, Sport im Bild.137 Diese Unternehmer hatten einen sehr großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Presse, denn sie waren vom Markt und Anzeigegeschäft äußerst abhängig und brauchten Leser in Massen. Neue Leser wurden gesucht, und gefunden in den unteren Schichten: unter den Arbeitern und Kleinbürgern. Da die Leser Sensation und

Unterhaltung suchten, wurde es ihnen in solchen Veröffentlichungen angeboten. Der Anteil der Politik im Gesamtangebot der Zeitungen ging etwas zurück, wodurch mehr Raum für

Unterhaltung und Feuilleton gewonnen wurde. So nahmen insbesondere Zeitungen an Umfang zu.138

Neben dem Aufkommen der Massenpresse sind noch zwei andere Tendenzen für die Presse zu erwähnen. Die eine ist die Ausweitung von politisch oder konfessionell orientierten Zeitungen und Zeitschriften, die zwar kurzlebig schon im Vormärz auftauchten, sich aber erst im Nachmärz etablieren konnten. Die Aufgabe dieser Partei- oder Gesinnungspresse bestand nicht nur darin, ihre Leser mit aktuellen Nachrichten und Informationen im Sinne ihrer politischen

135 Langenbucher 21.

136 Sösemann 48, 69-70.

137 Sösemann 72.

138 Schiewe 152.

Richtung zu versorgen, sondern auch neue Leser—potenzielle Wähler—zu gewinnen.139 Letzteres war deshalb äußerst wichtig, weil die üblichen Kommunikationsorgane der Parteien und Verbände für die Wählerschaft unzureichend waren.140 Eine weitere Tendenz war der Aufschwung im Bereich der Fachzeitschriften, vor allem in den technischen und

naturwissenschaftlichen Periodika. Infolge der Industrialisierung zeichnete sich auch eine Spezialisierung auf allen Gebieten der Wirtschaft ab, die bald auch die Gründung von

Gewerbevereinen betraf. Diese Vereine hatten die Aufgabe, das Fach- und Berufsinteresse zu pflegen, wozu sie auch spezialisierte Fachorgane brauchten. So begann ein rascher Ausbau der wirtschaftlichen, und wissenschaftlichen Fachzeitschriften.141

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